Meine Diagnose

Wir haben alles rausbekommen

Dieser Satz ist der Schönste, den ich seit langem gehört hatte. Ich wusste gar nicht wie angespannt ich war, bis ich das hörte. Von mir fiel unglaublich viel ab.

Aber von Anfang an. Einen Tag vor der OP musste ich im Krankenhaus sein. Unglaublich freundlich wurde ich empfangen, in mein Zimmer gebracht. Die Zeit davor war ich in verschiedenen Krankenhäusern stationär und dachte im Universitätsklinikum würde ich wohl nur eine Nummer sein, eine Nummer in einem Zimmer mit vielen anderen Patientinnen. Aber dem war nicht so. Ich fühlte mich wohl- so wohl wie man sich in einem Krankenhaus natürlich fühlen kann.

Der nächste Morgen, mir wurde gesagt ich bin erst Nachmittags dran. Langes, zähes Warten. Irgendwann ging es los. Ich wurde in einen Anästhesievorraum geschoben. Dort hieß es nochmal warten. Ich war unglaublich nervös. Gar nicht so sehr aus Angst vor der OP oder Narkose, mein Vertrauen in meine Ärtzin war groß, aber ich hatte Angst vor dem Danach. Was werden sie finden? Ist der Bauch voll? Bekomme ich im schlimmsten Fall einen künstlichen Darmausgang? Bekommen sie alles raus? So vieles schwirrte mir durch den Kopf. Ein Anästhesiepfleger ging an mir vorbei, stoppte, zeigte auf mich und sagte mir ich solle aufhören mir Gedanken zu machen. Ich lachte und fragte ob das so offensichtlich sei. Nach 20 Jahren in der Anästhesie würde er sehen, wer sich besonders viele Gedanken macht, bekam ich zur Anwort. Er schnappte sich einen Stuhl und setzte sich neben mich. Hörte mir zu, stellte Fragen. Das fand ich so unglaublich nett. Er lenkte mich ab bis es weiterging, drückte meine Hand und sagte ich hätte drei Kinder gewuppt, was jetzt noch kommt schaffe ich mit links. Ich werde ihm dafür immer Dankbar sein. Ruhig konnte ich weiter in die Einleitung.

Ich wachte langsam, sehr langsam auf. 7 Stunden OP hatte ich hinter mir. Es war Nacht. Intensivstation. Ein Pfleger kam und sagte mir es ist alles gut gelaufen aber um mehr aufzunehmen sei ich noch nicht wach genug. Morgen kommt ein Arzt, erzählt Ihnen alles. Ich tastete meinen Bauch vorsichtig ab, Schläuche- sonst nichts. Das beruhigte mich. Ich dämmerte weiter vor mich hin.

Morgens, bevor es auf Station ging durfte ich an die Bettkante. Mit Schmerzpumpe im Rücken ging das auch relativ gut.

Die nächsten Tage waren voll mit Physiotherapie, Psychoonkologischer Betreuung und Besuch vom Sozialdienst. Die Versorgung war unfassbar gut. Das Pflegepersonal hätte nicht netter sein können. Da ich tagelang nicht essen mochte, brachte eine Schwester mir sogar Obstgläschen von der Kinderstation. Sie blieben da und unterhielten sich. Es war eine nette Atmosphäre. Meine Familie und Freunde klatschten sich mit dem Besuchen ab, ich war so gut wie nie alleine und mir wurde nicht langweilig. Es verlief alles reibungslos. Ich kam gut auf die Beine.

Natürlich  war nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Ich hatte Schmerzen, konnte nicht schlafen, Probleme mit der Atmung, Kreislauf. Mir wurde ein Stück Darm entfernt und auch die Verdauung kam nur langsam in Gang.  Es war alles schwer und nicht sonderlich angenehm. Aber alle um mich rum taten ihr bestes, um es mir so einfach wie möglich zu machen. Mein Ziel war es so schnell es geht nach Hause zu kommen und wieder bei meinen Jungs zu sein. Also hieß es Augen zu und durch da. Aufstehen, bewegen, Zähne zusammenbeißen. Und das trug Früchte. Am 10. Tag, dem Minimum, durfte ich nach Hause. 

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