Meine Diagnose

Innere Einstellung

Wie machst du das nur? Woher nimmst du deine Stärke? Du wirkst so entspannt. So oder so ähnlich habe ich vieles in letzter Zeit gehört. Und ich lächel immer und denke mir, so fühle ich gar nicht. Ich fühle mich nicht besonders stark. Nicht besonders gelassen. Aber es brachte mich zum Nachdenken, wieso ich so zu wirken scheine. Es hat etwas mit der inneren Einstellung zu tun denke ich. Die Diagnose war ein Schock, absolut. Aber ich habe beschlossen, dass sie nicht mein Leben dominiert. Und das tut sie nicht. Sie nimmt einen großen Teil meines Lebens zurzeit ein, gezwungenermaßen. Aber sie definiert mich nicht.

Ich habe viele starke Frauen kennengelernt während meiner Chemo. Man sitzt auf engem Raum und tauscht sich aus. Jeder meistert seine Diagnose anders. Ich habe unglaubliche Stärke gesehen. Aber auch Tränen aus Wut, Angst. Und trotzdem haben alle dasselbe getan. Gekämpft. Ich habe aber auch gesehen, was Angst und Frust machen kann.

Meine erste Chemo war furchtbar. Erst war der Port nicht durchlässig, also musste mir ein neuer gelegt werden. Dann bekam ich von dem einen Mittel einen Anaphylaktischen Schock. Innerhalb von kurzer Zeit sah ich nur noch Sternchen und meine Atmung versagte ihren Dienst. Das war eine Erfahrung die ich nicht nochmal machen möchte. Jedoch war das Team so gut eingespielt, dass sie die Situation mit einer Gelassenheit und Ruhe, in schneller Zeit im Griff hatten. Natürlich half mir mein medizinisches Wissen um die Situation. Ich wusste was mein Körper gerade tut und wieso. Was als Gegenmaßnahme getan wird. Das alles half um keine Panik zu bekommen. Insgesamt war ich 12 Stunden an diesem Tag für die Chemo im Klinikum. Das war wirklich alles andere als toll. Aber wenn ich gefragt wurde ob ich Angst vor dem nächstem Mal habe, habe ich ehrlich verneint. Hatte ich einfach nicht. Ich konnte ja nicht ändern was passiert, wusste schlimmer geht es kaum. Und selbst wenn, ich bin einfach nicht Herr der Lage und muss nehmen was kommt.

Andere Patientinnen hatten ähnliche Erfahrungen gemacht. Hatten aber Angst. Saßen vor der nächsten Dosis und malten sich aus was alles passieren kann. Welche Nebenwirkungen wohl kommen. Wird es schlimmer? Und ich habe gesehen, das macht es einfach nicht besser. Jeder mag auf seine Weise damit umgehen. Das ist auch absolut ok. Nur ich für mich habe beschlossen, hinzunehmen was kommt. Nicht mit der Situation zu hadern. Denn das bessert es einfach nicht. Es ändert nichts an der Situation. Manches haben wir einfach nicht in der Hand. Aber wir können das Beste daraus machen. So gut es eben geht.

Nicht falsch verstehen. Ich bin nicht immer so stark und klar denkend. Es reicht manchmal, wenn mein Mann mich abends ansieht und fragt wie es mir geht und ich breche in Tränen aus. Aber nur kurz. Ich will einfach nicht zulassen, dass eine Krankheit das mit mir macht. Den Raum gebe ich ihr einfach nicht. Ich habe mir selbst versprochen stark zu sein. Und das versuche ich. Wenn nicht immer für mich dann für meine Jungs.

Wenn es mal schwache Momente gibt, rufe ich mir die schönen vors Auge. Den Moment wenn man platt von Chemo auf dem Sofa liegt und der Mittlere sich unter die Decke kuschelt, mein Gesicht in seine Hände nimmt und mir einen Kuss gibt. Er streichelt dann auch gerne über die kurzen Stoppeln auf meinem Kopf und lächelt mich einfach an. Bleibt ein paar Minuten kuschelnd bei mir liegen. Das sind Situationen voller Glück und  purer Liebe. Wie könnte man da anders als glücklich sein.

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