Meine Diagnose

Wieso dieser Blog

Es ging unglaublich schnell und viele aus meinem Umfeld wussten von meinem Blog. Das ist ja auch okay, ich habe ja auch kein Geheimnis daraus gemacht. Aber ganz viele fragten mich wieso ich das mache.

Ich habe in der Chemozeit viel Zeit gehabt. Zeit auf dem Sofa, in der ich nichts tun konnte. Ich habe angefangen Mütterblogs zu lesen und dachte mir dazu hätte ich auch Lust. Geschrieben habe ich schon immer gerne. Getraut habe ich mich aber nicht, habe ja gesehen wieviel Arbeit das machen kann und ich wollte auch nicht so viel von mir preisgeben. Dann habe ich rumgesponnen das Thema Krebs einzubeziehen, schließlich ist es gerade bei uns allgegenwertig. Keiner will das lesen, dachte ich. Wieso auch. Habe die Idee also relativ schnell über Bord geworfen.

Nach der Chemo schläft man sehr schlecht, die Gedanken kreisen also sehr viel hin und her. In irgendeiner Nacht habe ich beschlossen, das schreibst du jetzt alles auf und am nächsten Tag ging es los.

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Ich hatte wirklich unterschätzt, wieviel Arbeit es ist einen Blog aufzumachen. Mein Technikverstand ist eher gering und das war eine wirkliche Herausforderung, hat aber Spaß gemacht.

Es war soweit- ich schrieb meinen ersten Artikel und ich merkte wie therapeutisch das für mich ist. Ich habe gleich mehrere Artikel hintereinander weggeschrieben.  Dazu muss ich sagen, ich bin jemand, der nicht allzugerne über sich selber spricht, schon gar nicht über meine Gefühle. Ich höre lieber anderen zu, das kann ich gut. Wenn ich erzähle wie es mir geht, verharmlose ich gerne. Ich will einfach nicht jammerig klingen. Meine Mama beschwert sich gerne ich sage immer dasselbe, wenn sie mich fragt wie es  mir geht. Meistens ist meine Antwort, es geht soweit oder es wird. So in etwa. So ist es auch, es geht ja auch. Aber für meine Familie ist diese Antwort oft ungenügend. Das verstehe ich auch, aber so bin ich halt, ich mag nicht klagen. Dafür sehe ich zu viele denen es schlechter geht.

Aber ich denke es ist wichtig ein Ventil zu haben, das ist mir bewusst geworden. Für mich ist es das Schreiben. Jeder braucht denke ich ein Ventil egal welcher Art das sein mag. Manche reden gerne über ihre Probleme. Das ist super. Die, die das nicht mögen sollten einen anderen Weg finden. Denn mir war nicht bewusst, dass ich das gebraucht habe um die Geschichte zu reflektieren und die Gedanken zu sortieren, aber ich brauchte das.

Es hat noch ein Gutes. Ich lerne durch das Schreiben. Mir fällt auf, so blöd das klingt, wie viel Positives ich aus diesem Jahr gezogen habe, wieviel Dankbarkeit und Demut ich gelernt habe. Es war wirklich hart, für uns alle. Aber ich bin in der Lage zu sehen, wieviel Glück ich habe, wieviel Liebe ich erfahre. Manchmal sitze ich abends, mit meinem Kleinen im Arm, bevor er ins Bett geht und kann einfach nicht fassen wie glücklich ich sein kann. Ich habe einen tollen Ehemann, der unzerstörbar an meiner Seite steht und alles tut was er kann, um mich zu entlasten. Auch bis zur völligen Erschöpfung. Ich habe drei völlig gesunde, aufgeweckte, liebe Jungs. Sie machen den ganzen Zirkus ohne große Probleme mit und beschehren mir immer wieder Momente voller Glück.  Und genau das ist es worauf es im Leben ankommt um liebe Menschen um einen rum, um tolle Momente. ja jeder hat sein Päckchen und ich denke manchmal ist der Mensch dazu geneigt nur das Negative zu sehen, da schließe ich mich nicht aus. Aber wenn wir uns der Positiven Dinge bewusst machen, sehen was wir haben statt dem was wir nicht haben, findet man einfach leichter zum Glücklichsein.

Also, deswegen unterhalte ich diesen Blog. Um mir selber was Gutes zu tun. Und ganz vielleicht, so meine Hoffnung, helfen meine Worte ja irgendwem. Dann hätte sich die Arbeit gelohnt. Wenn nur eine Person Kraft aus meinem Geschriebenen schöpft. Und die positive Resonanz, die ich erfahre bestärkt mich damit weiterzumachen und mehr zu schreiben.


2 Kommentare

  • Bianca

    Hey Bianca,

    Ich schöpfe Kraft aus dem was du geschrieben hast. Ich selbst zweifle momentan jeden Tag daran wir ich das alles schaffen soll, wie ich meinen Kindern gerecht werden soll während es mir so schlecht geht und mir noch weitere krankenhausaufenthalte bevorstehen. Aber dein Blog macht mir Mut, dass ich das alles schaffe und es irgendwann besser wird. Du meisterst das alles super, du kannst sehr stolz auf dich sein!

    Liebe Grüße
    Bianca

    • Bianca

      Liebe Bianca, erstmal vielen Dank für deine Rückmeldung. Genau deswegen betreibe ich diesen Blog. Zu lesen es gibt jemandem Kraft, gibt auch mir Kraft und zeigt mir wie richtig es ist seine Erfahrungen auszutauschen. Verzweifel bitte nicht, ich hatte auch viele solcher Momente. Aber irgendwann geht es hoffentlich bergauf, auch für dich! Ich wünsche dir alles Liebe und viel Kraft, Mut und vor allem Gesundheit! Lieben Gruß Bianca

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