Meine Diagnose

Chemotherapie

Ich bin nun durch mit meiner Chemotherapie und das ist unglaublich erleichternd. Rückblickend ging die Zeit sehr schnell um. Ich habe im 3-Wochen-Rhythmus gelebt. Von einer Chemotherapie zur nächsten. Dazwischen hieß es, so schnell wie möglich erholen um zur nächsten wieder fit zu sein. 18 Wochen lang hat sich unser Leben um meine Chemo gedreht. Alles andere kam zum Stillstand oder wurde unwichtig.

Ich hatte einen nicht allzu guten Start in meine Chemo. Das hatte ich schonmal beschrieben.  Nachzulesen hier . Angst hatte ich vor meinen Chemos trotzdem nie. Ich habe versucht sie als das zu sehen was sie sein sollen, als Hilfe für mich. Die Chemo war für mich- nicht gegen mich. Auch wenn sich das nicht immer so anfühlte.

Zeitweise ging es mir wirklich dreckig. Und es wurde schlimmer mit jeder Dosis, was ja klar ist. Manchmal fühlte ich mich wie betrogen. Wie konnte es sein, dass es mir vor der Diagnose gut ging? Ich hatte ja nichts, keine Symptome. Und dann kam eine große OP und diese Therapie unter der es einem so schlecht geht. Das empfand ich als unfair und hat es mir oft schwer gemacht das ganze zu greifen. Manchmal glaube ich es ist in meinem Kopf immer noch nicht ganz angekommen, was da passiert ist. Es kam so plötzlich und ging dann alles ganz schnell, aber fühlte sich oft sehr unreal an. Schließlich ging es mir ja gut vorher. Ich denke so geht es vielen Betroffenen, das macht das ganze so schwierig. Man merkt in vielen Fällen vorher einfach nicht wie krank man ist.  Und dann geht es einem plötzlich schlecht aufgrund der Therapie.

Vor der Therapie wird man aufgeklärt über alles was sein könnte, alle Nebenwirkungen und was man beachten muss. Und trotzdem hat man keinerlei Ahnung was auf einen zukommt. Alles kann, nichts muss. Jeder Körper reagiert so individuell und unterschiedlich. Nach den ersten malen fühlte ich mich wie bei einer Grippe. Alles tat weh, besonders die Beine. Ich war unfassbar schlapp und ausgelaugt. Es war zum Glück schon alles organisiert vorher, für den Fall, dass es mir schlecht gehen sollte. Die Kinder waren also gut versorgt. Denn wenn ich ehrlich bin, wäre das zu mancher Zeit kaum möglich gewesen alleine, denn mein Mann musste ja auch arbeiten und ist den ganzen Tag außer Haus.

Dazu kam noch der wunderschöne Sommer der für mich und meinen Kreislauf leider manchmal zum Fluch wurde. Die Hitze hat meinem Kreislauf dermaßen zu schaffen gemacht, dass ich an schlimmen Tagen kaum stehen konnte. Außerdem hatte ich noch die Üblichen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme, Müdigkeit etc etc.

Das alles war wirklich nicht schön und ich habe oft darauf geflucht und war furchtbar genervt, dass ich nicht so konnte, wie ich wollte. Und doch bin ich unglaublich froh, dass es diese Therapie gibt. Meine Tumore waren zwar rausoperiert aber natürlich war es möglich das noch Zellen verblieben sind.

Ich denke was mir auch geholfen hat war, dass wir immer versucht haben den Chemotag als etwas Schönes zu gestalten. Mein Mann hat sich jedes Mal frei genommen. Da die Anfahrt länger dauert, sind wir zeitig losgefahren und haben nett beim Bäcker an der Klinik gefrühstückt. Dann hatten wir lange Zeit, um uns viel zu unterhalten. Ich glaube seit wir die Kinder haben hatten wir lange nicht mehr so viel Zeit zusammen.  In der Klinik arbeitet eine Freundin als Ärztin , auch sie ist immer vorbeigekommen und hat sich zu mir gesetzt, damit mein Mann sich mal eine Runde die Beine verteten konnte. Da es eine Uniklinik ist, in der ich behandelt werde gibt es alles was man braucht vor Ort, unter anderem eine hervorragende Cafébar. Mein Mann und der Inhaber waren zum Schluss schon auf Du und Du und ich bekam immer extra Eiskaffe gemacht. Abends sind wir dann immer eine Currywurst in meiner Lieblingsbude essen gefahren. Also insgesamt war es eigentlich ein netter Tag.

Und auch das Danach wurde mir immer so angenehm wie möglich von all meinen Lieben gestaltet. Ich bekam Besuch, Essen und Blumen. Im Nachhinnein war alles dann irgendwie machbar und erträglich, wenn auch nicht einfach. Und auch jetzt, 6 Wochen nach der letzten Dosis spüre ich noch die Nebenwirkungen. Aber all das wird mit der Zeit besser werden. Das allerwichtigste ist, dass ich da bin, es mir weitestgehend gut geht und ich jetzt mein Leben in vollen Zügen und noch bewusster als vorher genieße.



Ein Kommentar

  • Claudia Hoeft

    Liebe Bianca,

    Ulrike St. hat mir von Deiner Erkrankung und Deinem Blog am Dienstag erzählt. Dein Blog ist großartig und die Kraft, die in Dir und Deiner Familie steckt, ist richtig herauszulesen.
    Die letzte Chemo ist geschafft und wenn ich Dich im Sommer vorbeigehen sehe, werden die Haare wieder da sein.
    Es freut mich, dass Du neben dem Verlust auch den Gewinn betonst, wie Familienzusammenhalt, intensive Zeit mit Deinem Mann, mehr Selbstbewusstsein und das bewusste Genießen jeden neuen Tages.
    Du hast eine sehr schwere Zeit durchgemacht, Du bist durchgegangen – das war und ist eine Leistung! Und Dein Blog macht anderen Frauen Mut. Mut, den Du hast.

    Herzliche Grüße,
    Claudia

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