Meine Diagnose

Frust

Wenn ein Spaziergang manchmal den Tag rettet


Wie über so vieles, spreche ich nicht gerne über meine schlechten Tage. Zurzeit sind es eher schlechte Tage. Seit gut 4 Wochen bin ich dauererkältet. Mein Immunsytem scheint damit noch etwas überfordert und so zieht sich das. An sich schon recht nervig, wie ich finde, es raubt mir nur leider auch noch meine letzten Kraft- und Nervenreserven.

Viele in meinem Umfeld denken glaube ich, Chemo ist durch- fertig. Ich rede ja auch  nicht gerne darüber, wenn es mir nicht gut geht. Man möchte niemandem eine Last sein und jammern will ich schon gar nicht. Ich fühle mich ein bisschen so, als wären meine Akkus einfach langsam leer und nichts mehr übrig, ich hab Lust zu gar nichts. Abends um 20h könnte ich eigentlich völlig erschöpft ins Bett fallen und 12 Stunden schlafen. Geht  natürlich alles nicht, schließlich habe ich 3 Kinder. Zum Glück! Ich muss morgens aufstehen und mich hochrappeln, ich kann nicht sagen geht nicht.

Eine Freundin, mit der ich darüber sprach, meinte nur was ich denn erwarte. Ich habe über ein halbes Jahr gekämpft und mich aufgerappelt, immer und immer wieder habe ich mich erholen müssen und nu ist der Alltag da und man ist non-stop für die Kids da. Klar irgendwann ist der Körper einfach erschöpft. Ich weiß ich bin ungeduldig und erwarte oft zu viel von mir selbst. Aber der Krebs ist weg und ich will jetzt endlich gesund und fit sein.

So geht es wohl vielen Krebspatienten. Ich tausche mich online aus und sehe immer wieder, wie gut es mir geht. Sehe andere starke Kämpfer, die mir wieder Schwung geben, die verstehen, wie es einem geht. Andere erholen sich jahrelang nicht von der Chemo, vergleichsweise bin ich da gut dran. Ich muss mir immer wieder vor Augen führen, dass meinem Körper hochdosiertes Gift verabreicht wurde. Gift welches nicht nur schlechte, sondern auch gute Zellen komplett zerstört. Mein ganzer Körper muss einmal updaten und das kann halt dauern.

Ich merke nach und nach wird es besser. Meine Haare wachsen, mein Blutbild erholt sich, die Nervenstörungen und meine Chemodemenz wird besser. Alles regeneriert sich und dafür bin ich dankbar. Es dauert halt nur seine Zeit und das ist wohl wieder eine Lektion, die ich lernen muss.

Für die schlechten Momente habe ich zum Glück meinen Mann, der es immer wieder schafft mich zum Lachen zu bringen wenn ich wütend auf mich und meinen Körper bin. Als ich letztens jammerte, ob wir nicht langsam mal dran wären mit Glück haben und ob denn alles schief laufen muss, guckt er mich an und sagt ganz trocken wie furchtbar das Jahr war und was für Katastrophen alle passiert seien. Vorne an natürlich, dass er 30 geworden ist. Da ist es einem kaum möglich nicht zu lachen. 

Heute erst sagte ich zu ihm ich würde gerne manchmal mit den Beinen auf den Boden stampfen,wüten, toben und heulen. Er meinte nur mach doch, er weiß genau ich lasse meine Emotionen nicht gerne raus. Als ich ihm entgegnete, er weiß, dass ich das nicht tue, sagte er komm wir machen das zusammen. Da brach ich dann in Gelächter aus, weil die Vorstellung einfach zu witzig ist wenn wir beide auf dem Boden rumstampfen. Wie die Kinder wohl gucken würden?

So, nun heißt es für mich meine Krone zu richten mich gerade zu machen und nach vorne zu gucken. So macht man das eben. Was bringt es mir in Frustration zu versinken? Noch mehr Frust und Unmut. Und so bin ich nicht, das will ich nicht. Also weiter gehts, denn irgendwann ist alles gut. Das Leben ist zu kurz und zu schön um wütend und traurig zu sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.