Meine Diagnose

Das Leben genießen

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wenn ich die Zeit Revue passieren lasse, weiß ich wie hart alles war. Ich denke daran, was wir als Familie gestemmt haben und bin stolz. Stolz auf meine Jungs, stolz auf meinen wunderbaren Ehemann und natürlich auch auf mich. Wenn ich an die letzten Monate denke, denke ich auch an Familie und Freunde und eine große Dankbarkeit erfüllt mich. Die Zeit hat mich ihnen noch näher gebracht, Freundschaften vertieft und alte, fast vergessene Freundschaften, wieder aufgewärmt. Ich bin wohl sehr gesegnet mit einem tollen Umfeld und ich weiß nicht jedem ist so ein Backround vergönnt.

Meine Geschwister und meine Eltern

Mir wird immer bewusster wie wichtig die kleinen Dinge im Leben sind und wie unwichtig manch anderes. Wir haben zurzeit noch ein paar andere Probleme, nicht gesundheitlicher Natur. Als wir letztens drüber sprachen wie wir da raus kommen und wie wir das überstehen, wurde mir zunehmend bewusst wie unwichtig das alles ist. Wir haben uns und wir haben schon so vieles geschafft. Außerdem ist unser Motto, alles wird gut- früher oder später. Klar beschäftigen uns die Probleme und ignorieren lässt sich das auch nicht. Aber wir lassen es uns nicht dominieren. Und so ist es, wir genießen das was wir haben und grämen nicht mit dem was wir nicht haben.

In Gesprächen mit meinen Mitmenschen merke ich wie müde ich bin Negatives zu hören. Vor allem die negative Lebenseinstellung vieler. Der Mensch scheint einfach dazu zu neigen nur das Schlechte zu sehen und immer zu jammern. Ich meine damit nicht sich mal auszulassen über blöde Sachen die einem passieren, das tue ich auch. Aber viele hängen ihre komplette Einstellung und ihren Lebensinhalt an vermeintlich Negativem auf. Alles dreht sich nur noch um das Eine und das negative Denken dominiert. Manchmal würde ich solche Leute gerne schütteln und ihnen sagen was sie alles haben und wie schön das Leben sein kann, wenn man es zulässt. Manchmal laufen Sachen halt schlecht, das geht wohl jedem so, nur das was man daraus macht ist das Wichtige. Eine alte Freundin von mir pflegt zu sagen man muss dem Berg Scheiße (sorry für den Ausdruck) einfach eine Kirsche aufsetzten.

Vielleicht klingt das gemein, aber wenn ich mal einen schlechten Tag habe, hilft es oft mir vor Augen zu halten wie schlecht es Anderen geht. Das wir von wirklichen Problemen hier im behütetem Deutschland wohl nur den Hauch einer Ahnung haben. Ich habe Krebs, ja stimmt, aber mir wird eine Therapie, deren Kosten in die Zehntausender gehen, von meiner Krankenkasse bezahlt und ich bekomme die Versorgung die ich benötige. Könnte schlechter laufen. Ich habe die Chance gesund zu werden, meine Kinder aufwachsen zu sehen und hoffentlich mit meinem Mann alt und grau zu werden. Was will ich denn mehr?

Mein Mann und ich im Sommer an einem kinderfreien Tag

Und so erinnere ich mich immer wieder daran, das Leben ist schön. Es ist lebenswert und definitv ist es zu kurz um sich über Nichtigkeiten länger als nötig aufzuregen. Ich bemühe mich jede Sekunde mit meinen Jungs zu genießen, das klappt natürlich mal mehr mal weniger gut, je nach Gemütszustand, aber ich erinnere mich daran und gebe mein Bestes. Fazit: ich setze einfach allem eine Kirsche auf, eine dicke knallrote Kirsche – vielleicht auch zwei oder drei.




2 Kommentare

  • Bianca

    Kirschen… Jede Menge Kirschen für jeden scheiss Haufen. Ich musste gerade sehr lachen. Quasi jedem Mist Haufen ins Gesicht lachen. Irgendwann ziehen wir symbolisch durch die Gegend mit einer Tüte und suchen Haufen. Fühl dich gedrückt

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