Meine Diagnose

Angst?

Hatte ich Angst? Habe ich Angst? Ganz ehrlich? Ja, natürlich.

Ich habe kürzlich mit einer Frau geschrieben, die den Therpieweg noch vor sich hat, zum großen Teil. Sie fragte mich, ob es normal ist, dass die Angst unterschwellig immer da ist. Kurz musste ich in mich fühlen und habe mit einem klaren -Ja- geantwortet. Ja ich hatte Angst, natürlich. Und ich habe sie immer noch. Ich würde nicht behaupten, dass ich sie ignoriere, aber ich lasse sie nicht zu. Ab und an kommt es mal hoch, aber ich sage mir was kommt das kommt und was ich tun kann, tue ich.

Die größte Angst hatte ich wohl, als ich die Diagnose bekam. Der Arzt der das Los gezogen hatte, mir die frohe Botschaft zu übermitteln, machte mir klar wie schwerwiegend die Diagnose Bauchfellkrebs ist. Man wusste ja nichts genaues, nur dass am Bauchfell bösartige Zellen gefunden wurden. Er sagte mir, er wisse nicht was für Therapieoptionen es geben würde, ob es Heilung gibt. Er versuchte positiv zu sein, vermittelte mir aber, es wird ein harter Weg. 

Natürlich las ich danach im Internet über die Peritonealcarzinose. Fast immer hieß es, nicht heilbar. Ja ich hatte Angst, verdammt große Angst. Vor mir habe ich schon meinen Mann mit unseren 3 Kindern alleine gesehen. Das tat mir so leid. Meine Gedanken kreisten fast ausschließlich um die, denen ich damit Leid zufüge. Ich konnte es nicht kontrollieren, was kommt und das machte mir Angst. Ich beschloss, nicht weiter zu lesen und ich rate jedem ab, im Internet sich schlau zu machen. Das führt zu nichts.

Tatsächlich hätte ich vor 10 Jahren keine Chance gehabt. Seit einigen Jahren gibt es eine handvoll Ärzte in Deutschland, die in der Lage sind das Bauchfell so zu entfernen. Eine von diesen Ärzten sitzt in der Uniklinik, eine dreiviertel Stunde mit dem Auto entfernt. Glück im Unglück.

Der Krebs ist weg, aber die Angst bleibt. Geheilt bin ich nicht. Alle 3 Monate muss ich zur Kontrolle. Ja die Chancen, dass ich gesund werde sind sehr gut. Zum Glück. Aber ein klitzekleiner Teil von mir weiß, wie tückisch Krebs sein kann. Wie sagt man so schön? Krebs ist ein Arschloch (Sorry). Das ist er, aber ich habe ihm Hausverbot erteilt, lebenslang! Arschlöcher dürfen gerne weg bleiben, die mag hier keiner. Also, weiterhin Kopf hoch und die Angst darf da sein. Das ist gut so. Aber sie ist klein, irgendwo in mir. Möglichst hinter einer verschlossenen Tür. Ab und an geht sie einen Spalt auf, aber generell bleit sie verschlossen. 


2 Kommentare

  • Helmut

    Liebe Bianca,
    mit diesem Blog beeindruckst wohl nicht nur mich. Ich finde es bewundernswert, wie offen Du hier über alles schreibst, was du erlebst und was Du dabei empfindest und ich bin begeistert von Deiner Art zu schreiben. Da macht es Lust, immer weiter zu lesen und Dich dabei sozusagen auf Deinem Weg zu begleiten.
    Eine Sache kann ich tatsächlich nachempfinden, nämlich das Plötzliche, Überraschende … Bis eben war gar nichts und dann bricht plötzlich die Welt zusammen. Bis eben dachte ich noch, das passiert ja nur den anderen, aber nicht mir (denn ich hab ja immer gesund gelebt und nie was Ernstes gehabt) und dann muss ich von jetzt auf gleich akzeptieren, dass das leider ein Irrtum war. Das hat weh getan und war schwer zu verdauen. Ich will mich wahrhaftig nicht mit dir vergleichen, das wäre vermessen, aber diesen Schock und die Ungewissheit, das habe ich auch erlebt und bin begeistert von Deiner Willenskraft und Deiner positiven Einstellung. So wirst Du alles schaffen was möglich ist und einiges überhaupt erst möglich machen.
    Weiter so und halt durch! Falls Du mal Hilfe brauchst und gerade niemand erreichbar ist, wir sind auch in der Nähe 🙂

    • Bianca

      Lieber Helmut, vielen Dank für deine Worte. Ja man denkt immer solche Schläge sind weit weg und passieren einem selber nicht. Und plötzlich bricht der Boden unter den Füßen weg und von jetzt auf gleich ist alles anders. Seit gegrüßt! Bianca

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