Meine Diagnose

Keine Worte

Der ein oder andere weiß vielleicht, dass ich ein bisschen auf Instagram unterwegs bin. Jemand forderte in seinem Post auf, das Jahr mit einem Wort zu beschreiben. Ich überlegte, fand aber nicht DAS Wort. Mir geisterte einiges im Kopf rum aber es war nicht in einem einzigen Wort zusammenzufassen. Es ist so viel passiert. Das Jahr hat uns herausgefordert und auf die Probe gestellt. Wir haben ihm den Mittelfinger gezeigt und gekämpft.

Als ich so nach Worten suchte, merkte ich schnell, es sind auch viele gute Worte. Es war ein schlichtweg furchtbares Jahr. Wir sagen immer 2019 kann eigentlich jetzt nur besser werden. Aber alles Schlechte hat wohl auch Poitives. Im Rückblick sieht das Jahr also durchaus auch positiv aus. Kaum zu glauben.

Mir geistern so viele Worte durch den Kopf und es fällt mir schwer sie zusammenzufassen.

Krankheit, Krebs, Haarverlust, Frust, Tränen, Wut, Ohnmacht, Geduld, Freundschaft, Familie, Zusammenhalt, Mut, Kampfwille, Stärke

ich denke das allerwichtigste Wort dieses Jahr, was wohl alles umfasst ist

Liebe

Liebe, für meine Kinder, meinen Mann, meine Familie und meine Freunde. Liebe die mir entgegengebracht wurde. Liebe die ich geben durfte. Selbstliebe, daran arbeite ich noch, aber mir ist einiges bewusst geworden dieses Jahr. Ich habe so unglaublich viel Liebe erfahren. Das überdeckt wohl alles Negative was passiert ist.

Wenn ich das Jahr Revue passieren lasse, kommen viele Bilder in meinen Kopf, einige davon sind mit heftigen Gefühlen verbunden, Gefühle von denen ich vor meiner Diagnose keine Ahnung hatte. Furchtbare Gefühle, die ich nie wieder haben will, aber auch Gefühle von Dankbarkeit und Freude.

Es wird wohl Zeit brauchen einiges zu verarbeiten. Die Narben bleiben und werden mich immer erinnern. Aber sie erinnnern halt auch an das Gute, was daraus hervor gegangen ist. Daran, wie wir als Familie zusammengerückt sind, wie die Beziehung zu meinem Mann noch stärker geworden ist, die Liebe noch größer.

Ich sehe mich noch immer nach Erhalt der Diagnose auf dem Boden des Krankenhausbades sitzen, weinend, völlig verzweifelt und hilflos, alleine. Dieses Gefühl was ich da hatte ist unbeschreiblich und tief dunkel. Aber es ist vorbei. Diese Person die da auf dem Boden saß, ist aufgestanden, groß geworden und gewachsen an den Herausforderungen. Diese Person hat sich verändert. Ich bin nicht alleine, das ist wohl die größte Erkenntnis. Unglaublich viele tolle Menschen stehen hinter mir, jederzeit bereit mich aufzufangen wenn ich falle. Völlig selbstlos.

Ich habe mich gefragt, hätte ich die Chance, das Jahr einfach zu streichen und ungeschehen zu machen, würde ich das tun? Uns wäre viel erspart. Aber nein, ich würde es wohl nicht tun. Denn genau das,was ich gewonnen habe, würde ich auch verlieren und das möchte ich defitiv nicht. Manchmal muss man wohl durch etwas einfach hindurch um zu wachsen. Eine harte Lektion. Das Leben passiert einfach und ich bin bereit, das was kommt anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Für mich und meine Familie. In dem Sinne hoffe ich einfach auf ein sehr gesundes 2019 mit weiterhin viel Liebe und Freundschaft. Auf Zeit zum Erholen und Durchatmen.



Ein Kommentar

  • Helmut

    Liebe Bianca,
    Du hast so recht. Durch unsere schwierigen Erfahrungen lernen wir vieles, was wir auf keinem anderen Weg hätten lernen können. Deshalb glaube ich, dass diese Erfahrungen unverzichtbar sind. Wir würden uns die wohl nicht aussuchen, wenn wir die Wahl hätten. Aber da wir ohnehin keine Wahl haben, bieten sich hier Gelegenheiten, zu wachsen und das zu lernen, was uns noch fehlt. Wahrscheinlich können wir vieles Gute in unserem Leben erst erkennen, wenn es nicht mehr da ist, wie beispielsweise Gesundheit. Solange wir gesund sind, ist das normal und selbstverständlich. Erst, wenn wir krank werden, erkennen wir, was Gesundheit wirklich bedeutet, weil sie uns vieles erst ermöglicht, was dann plötzlich nicht mehr geht.
    Ich wünsche Dir, dass Du aus Deinen neuen Erkenntnissen noch mehr machst und dass Du jetzt ein gesünderes Jahr beginnst. Fang es gut an und gönn Dir nach dem Etappensieg in diesem Jahr etwas Erholung. Ich wünsche Dir, dass Du Deine Ziele erreichst und Freude daran hast.
    Viele Grüße
    Helmut

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