Familienalltag

Und plötzlich ist da nichts mehr

Ich wollte gerne mal wieder einen Blogpost machen, außerhalb des Krebsthemas. Schon lange schwirrt in meinem Kopf, über meine Fehlgeburten zu schreiben. Es ist ein Thema, das, genau wie beim Krebs, nicht unbedingt zu den Smalltalk-Themen gehört. Man spricht nicht gerne darüber. Aber wenn man es tut, erfährt man, wieviele Frauen diese Erfahrung machen mussten.

Nach zwei Kindern, dachte ich eine Weile, mehr möchte ich auch nicht. Ich dachte ich wäre durch. Nachdem der Mittlere so ungefähr ein Jahr alt war kam das Thema häufiger auf. Mein Mann wollte eigentlich nicht so richtig und irgendwann eröffnete er mir, wir sollten ein drittes Kind bekommen. Der Mittlere war fast Zwei und wir hielten das für einen guten Zeitpunkt. Also war es beschlossen. Im zweiten Zyklus wurde ich direkt schwanger. Wir haben uns so gefreut. Da ich nicht sonderlich gut hinterm Berg halten kann mit solchen tollen Neuigkeiten, erzählte ich es auch direkt meinem engsten Umfeld.

In meinem Hinterkopf war immer, es könnte schief gehen. Zweimal ist es gut gegangen. Dieses mal könnte es schief gehen. So war es. Ich war ungefähr in der 7-8 Schwangerschaftswoche. Es war ein Sonntag und ich weiß es, als wäre es gestern gewesen. Ich bekam heftige Schmerzen im Unterleib, als wenn mir jemand ein Messer reinrammt. Ich setzte mich auf die Couch krümmte mich und wusste es ist vorbei. Dieses Wissen war sofort da, keine Ahnung wieso. Wir beschlossen ins Krankenhaus zu fahren, die Kinder noch schnell zu Oma gebracht. Es war eine recht stille Autofahrt.

Im Krankenhaus dauerte es auch nicht lange und eine Ärztin untersuchte mich. Sie sah die Fruchthöhle, aber keinen Herzschlag. Könnte auch noch zu früh sein. Sie wendete sich an mich und ihren genauen Wortlaut kann ich nicht mehr wiedergeben aber ich weiß, dass es sich anfühlte wie ein Schlag ins Gesicht. Völlig empathielos meinte sie, ich solle nächste Woche mal zu meinem Gynäkologen, aber muss damit rechnen, dass die Blutungen bald losgehen. Aber naja ich hab ja schon zwei und außerdem kann ich es ja einfach nochmal versuchen, ist ja nicht weiter schlimm.

Sie hat Recht behalten. Die Blutungen setzten eine Woche später ein und dann war da nichts mehr. Ich schluckte es runter und dachte naja, beim nächsten mal klappt es. Passiert vielen, nicht so schlimm. Verdrängen konnte ich gut.

Wir versuchten es weiter, das Leben ging weiter, viele wussten ja auch gar nichts davon. Doch, es klappte nicht. Es wollte einfach nicht klappen. Das machte mich fertig. Ich dachte irgendwas stimmt mit mir nicht, was ist nur los?

Nicht ganz ein Jahr später wurde ich wieder schwanger. Wir freuten uns, aber verhalten. Ich machte einen Termin bei meinem Gyn. Extra nicht so früh, damit man es auch wirklich sehen kann und nicht ungewiss nach Hause muss. Der Kreis der Menschen, denen ich es erzählte war dieses mal noch kleiner geworden. Ich hatte ein ungutes Bauchgefühl.

So saß ich dann im Wartezimmer beim Gynäkologen 9-10 Schwangerschaftswoche. Ich saß und plötzlich sackte mir mein Herz in die Hose. Das Gefühl gerade die Schwangerschaft zu verlieren raubte mir den Atem. Ich stand auf ging auf Toilette und ich wusste, es ist vorbei. Ich bekam ziemlich dolle Blutungen. Einfach so, ohne Ankündigung. Meinem Mann schickte ich eine kurze Nachricht und dann betrat ich wie in Trance das Zimmer meines Gynäkologen. Er guckte mich an und wusste sofort es stimmt was nicht. Er untersuchte ohne lange Umschweife und es war nichts mehr zu sehen. Es war einfach weg.

Ich weiß nicht mehr so richtig, wie ich nach Hause gekommen bin. Ich fühlte mich so leer. So furchtbar leer. Schon wieder! Alles aufgestaute der letzten Monate entlud sich in einem Meer aus Tränen. Ich glaube ich habe den Nachmittag nur im Bett gelegen und geweint. Mein Mann holte die Kinder abends ab und ich riss mich zusammen. Die kommenden Tage und Monate. Es geht weiter.

Man hört Sätze wie: Du bist ja noch Jung. Gut, dass es so früh passiert ist, dann ist es ja noch nicht so schlimm. Nächstes mal klappt es. Probiert es einfach weiter.

Das taten wir, wir probierten weiter, mit allem was man tun kann. Eisprungrechner, Fertilitätsmonior, Vitamine schlucken. Mein Gynäkologe empfahl zu einem Experten zu gehen. Der nahm meinem Mann und mir Blut ab und es stellte sich raus, dass ich eine Gerinnungsstörung habe, die sich unter Hormoneinfluss verstärkt. Ob das der Grund war? Man weiß es nicht. Aber zur Vorsicht sollte ich in der nächsten Schwangerschaft jeden Tag Gerinnungshemmer spritzen.

Wir versuchten es ein weiteres Jahr lang. Meine Schwester wurde in der ganzen Zeit schwanger und bekam eine Tochter. Ich freute mich so für sie und trotzdem tat es unfassbar weh. Ich gab auf, sagte meinem Mann, vielleicht soll es einfach nicht sein. Dann ist es so. Ich kann das nicht mehr. Jeden Monat warten und enttäuscht werden. Noch eine Fehlgeburt würde ich auch nicht einfach so verkraften.

Ich gab auf, hakte es ab. Freute mich an den beiden tollen Jungs, die von der ganze Geschichte nichts mitbekommen hatten.

Und dann, blieb meine Regel aus. Ich wartete eine Woche und machte einen Test, mit der Annahme er sei eh negativ, guckte ich drauf. Eine zarte zweite Linie. Ich heulte vor Freude und konnte es kaum glauben. Und irgendwie wusste ich, es wird gut werden.

8 Monate später hielt ich mein kleines Wunder, nach einigen Komplikationen und 6 Wochen zu früh, im Arm. Zwei Jahre hatten wir es probiert. Zwei anstrengende Jahre. Heute rückblickend bin ich so froh, dass mir dieser kleine Sonnenschein noch geschenkt wurde. Er hat uns komplett gemacht und so glücklich.

Foto by M.Couson

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