Meine Diagnose

Die Sache mit der Bindung

Wenn man sich mit der frühkindlichen Bindung beschäftigt, liest man, dass in den ersten 18Monaten eines Säuglinges der Grundstein für Urvertrauen, Bindung an Bezugspersonen und Beziehungsfähigkeit gelegt wird. Diese Zeit ist so wichtig für ein Kind. Das was in der Zeit gefestigt wird, geht nicht mehr weg. Man kann es nicht rückgängig machen, es ist dann tief in einem verwurzelt. Positives wie negatives. Die Personen an die sich ein Kind in der Zeit bindet sind nicht einfach austauschbar. Es wird eine tiefe Verbundenheit geschaffen.

Mein Jüngster ist jetzt 21 Monate alt. Die Zeit meiner OP und Chemotherpapie war genau diese Zeit. Er wurde durch viele Hände gereicht, weil ich mich nicht kümmern konnte. Und durch genauso viele Hände wurde er geliebt und geherzt. Er hat so viel Liebe erfahren.

Und er liebt diese Menschen, aus tiefstem Herzen. Er kann das noch nicht äußern, aber er zeigt es. Er hat eine tiefe Bindung zu ihnen. Und ja, er zieht sie mir oftmals vor.

Letztens stieß er mich weg, weil er auf dem anderen Arm bleiben wollte und nicht mit mir nach Hause kommen wollte. Ich wurde gefragt ob mir das nicht weh tut? Ich hab da echt viel drüber nachgedacht. Tut es mir weh? Ja natürlich, irgendwie schon. Aber es ist nicht verletzend und es beunruhigt mich auch nicht. Ich mache mir tatsächlich keine Gedanken darüber, schließlich weiß ich, wieso es so ist. Niemand ist Schuld daran und es ist ja auch nichts Negatives eigentlich.

Es ist bereichernd und absolut wunderschön für ihn. Ich bin trotzdem seine Mama und gerade jetzt in der Eingewöhnungszeit in der Krippe merke ich, wie sehr er doch an mir hängt. Zusätzlich hat er Menschen in seinem Leben, die für ihn mehr als nur eine Tante oder eine Freundin sind. Sie sind wie weitere Mamas für ihn. Er hat sich tief an sie gebunden und vertraut ihnen blind. Ich habe keine Probleme damit. Es freut mich ihn in den Armen dieser Menschen zu sehen, die in einer so schweren Zeit für uns da waren. Die uns aufgefangen haben und ihn betreut haben, ohne wenn und aber.

Und wenn meine Freundin zu Besuch ist und er lieber von ihr ins Bett gebracht werden will als von mir, tja nein, das tut mir nicht weh. Wieso sollte es auch? Er liebt Menschen, die ich auch liebe und schätze. Das ist etwas absolut Gutes und Schönes.

Es zeigt mir aber deutlich, wie wichtig diese Bindung ist und was das erste Lebensjahr für einen enormen Einfluss hat. Wie viel man kaputt machen kann bei einem Kind in dieser Zeit. Mein Kleiner hatte Glück und hatte gleich einen ganzen Korb voller Menschen die ihm alle Liebe der Welt gegeben haben. Es bestärkt mich darin, mich bald einer neuen Aufgabe zu widmen. Denn nicht alle Kinder haben dieses Glück. Aber dazu in einem späteren Blogpost mehr 😉

Der Kleine mit meiner Freundin, auch liebevoll seine „Hasenmama“ genannt

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