Meine Diagnose

Neue Gefühle

Ich schwanke im Moment mit meinen Gefühlen stark hin und her. Mal wieder schreibe ich um meine Gedanken zu sortieren.

Es ist Sonntagmorgen ich sitze mit einer Tasse Tee auf dem Sofa und beobachte den Jüngsten, wie er mit dreckverschmiertem Mund, vom Frühstück, vor sich hin spielt. Im Hintergrund höre ich die beiden Großen sich über Pokemon austauschen. Ich bin so glücklich. So wahnsinnig glücklich!

Und dann ist da momentan aber so viel Matsch im Kopf. Ich habe Angst. Neue Angst. Ich tue nichts mehr aktiv gegen diesen beschissenen Krebs. Die Therapie ist vorbei und das löst eine komplette Unsicherheit in mir aus. Damit hätte ich nicht gerechnet. Das trübt meine Stimmung. Ich war mir dessen gar nicht so sehr bewusst, bzw wollte es vielleicht auch nicht.

Letztens Abends stand ich mit meinem Mann in der Küche und er fragte mich vorsichtig, ob ich nicht doch vielleicht eine Kur machen möchte. Er denkt, das könnte mir gut tun. Schließlich habe ich auf eine Reha verzichtet, der Kinder und ihm zuliebe. Es machte ziemlich laut Klick bei mir. Denn ganz ehrlich? Ich frage mich in letzter Zeit immer öfter selber, ob das nicht falsch war. Falsch, keine Reha zu machen und auch keine Psychoonkologische Hilfe anzunehmen. Wahrscheinlich hätte ich nur davon profitiert.

Aber nun ist es so. Ich muss lernen mit diesen neuen Gefühlen klarzukommen. Das kann ich, das weiß ich. Oft verschwinden sie auch im Alltag. Ich arbeite wieder und ehrlich gesagt, fordert mir das ziemlich viel ab. Aber ich tue das auch sehr gerne. Denn es bedeutet wieder ein Stück mehr Normalität und ein Stück mehr Ich-Sein.

Und dann sind da aber diese Momente, wo ein kleines Ziepen im Bauch, oder eine Druckempfindlichkeit komplette Unsicherheit auslöst. So sehr, dass ich mich am liebsten in eine strahlenbelastende Untersuchung, die ich selber zahlen müsste, legen würde um absolute Sicherheit zu haben. Für den Moment. Das weiß ich. Denn es kann sich so schnell was ändern und das Gefühl würde wiederkommen.

Wenn ich in mich gehe und ehrlich zu mir bin, weiß ich, dass ich seit der OP schon immer empfindlich am Bauch bin. Dass ich seitdem schon immer Probleme mit dem Darm habe, der ab und an drückt und ziept. Und eigentlich geht es mir zunehmend besser. Meine Verdauung fängt wieder an sich zu regulieren. Ich bewältigte meinen Alltag mit den drei Jungs, einem Haus, Hund und Arbeit immer besser und ohne Hilfe. Ich bin nicht mehr so kaputt. Zumindest nicht immer. Und, das Wichtigste- Ich bin sehr glücklich!

Also heißt es weiter Ärmel hochkrempeln, positiv nach vorne blicken und leben. Ich las letztens in einem anderen Krebsblock über dieses Gedankenkarussel. Und sie schrieb, dass es einfach kein Sinn macht im Wenn zu denken. Das macht einen so mürbe und führt ja einfach zu nichts. Denn dieses Wenn muss nicht eintreten, klar könnte es, aber es ist und bleibt ein Wenn. Und wenn dieses Wenn eintritt, hat man immer noch Zeit sich Gedanken zu machen. Aber jetzt in diesem Moment muss man leben und das so gut es geht. Und das versuche ich jetzt so gut es geht umzusetzen.

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